Fitness-Check PPWR: Wellpappe-Branche startet in den Umsetzungs-Endspurt

Beim Roundtable, organisiert von Forum Wellpappe Austria und Forum Ökologisch Verpacken (FÖV), diskutierten Expert:innen aus Industrie, Handel und entlang der Lieferkette, wie sich Unternehmen auf die neuen EU-Verpackungsvorgaben vorbereiten müssen. Die Branche sieht akuten Handlungsbedarf, zugleich auch Chancen.

Expert:innen im Dialog: Stephan Kaar und Richard Höfer, beide Wellpappe Austria, Christoph Waldau, Berndt & Partner Crealty, Martina Hörmer, Beirätin Forum Ökologisch Verpacken (FÖV), Winfried Peters, FÖV, Peter Feller, Deutsche Ernährungsindustrie und Beirat im FÖV. © com_unit/Hörmandinger

„Viele Unternehmen beschäftigen sich intensiv damit, welche Anforderungen mit der PPWR auf sie zukommen und wie sie diese entlang der Lieferkette praktisch umsetzen können. Die hohe Teilnahme zeigt, wie groß der Informationsbedarf aktuell ist“, betonte Stephan Kaar. „Als Wellpappe-Industrie ist es wichtig, den Austausch entlang der gesamten Lieferkette zu ermöglichen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Gleichzeitig sehen wir, dass die Stärken der Wellpappe – hohe Recyclingquoten und ein funktionierender Kreislauf – in der PPWR klar anerkannt werden.“

Stephan Kaar, Sprecher Forum Wellpappe Austria mit Moderatorin Gabriele Jiresch © com_unit/Hörmandinger

Wellpappe sieht Vorteile durch die PPWR
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Fachvortrag von Christoph Waldau, CEO von Berndt & Partner Crealty zur „PPWR Readiness in der Wellpappe-Industrie“. Darin zeigte er auf, welche Anforderungen ab August 2026 auf Unternehmen zukommen, etwa bei Konformitätserklärungen, technischen Dokumentationen oder Kennzeichnungspflichten. Waldau hob hervor, dass Wellpappe aufgrund ihrer Monomaterial-Struktur, der hohen Recyclingfähigkeit und etablierter Kreisläufe strukturelle Vorteile im neuen regulatorischen Umfeld hat. „Die PPWR bringt viele neue Pflichten und einen hohen Dokumentationsaufwand mit sich. Gerade dort, wo künftig strengere Anforderungen an Materialien oder Wiederverwendung gelten, kann Wellpappe aber ihre Stärken ausspielen“, so der Experte.

Christoph Waldau, Berndt & Partner Crealty © com_unit/Hörmandinger

REWE setzt auf Zusammenarbeit entlang der Lieferkette
Wie Handelsunternehmen mit der PPWR umgehen, zeigte der Deep Dive von Andreas Streit, Nachhaltigkeitsleiter der REWE Group. Dabei wurde deutlich, dass die neuen Vorgaben tief in Verpackungsdesign, Lieferketten und Prozesse eingreifen werden. Themen wie Recyclingfähigkeit, Rezyklateinsatz, Kennzeichnungspflichten und Verpackungsreduktion würden künftig noch stärker in den Fokus rücken. Andreas Streit verwies etwa auf steigende Datenanforderungen und die operative Komplexität entlang der Supply Chain. „Die PPWR betrifft nicht einzelne Unternehmen, sondern ganze Wertschöpfungsketten. Deshalb müssen wir gemeinsam pragmatische Lösungen entwickeln, die ökologisch sinnvoll und gleichzeitig wirtschaftlich umsetzbar sind“, sagte Andreas Streit.

Andreas W. Streit, Head of Sustainability REWE Group © com_unit/Hörmandinger

Rollen klären, Ziele umsetzen
Dass trotz intensiver Vorbereitung noch viele Unsicherheiten bestehen, zeigt eine aktuelle Befragung in der Ernährungsindustrie in Deutschland. „Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass viele Unternehmen ihre Rolle innerhalb der PPWR noch nicht abschließend geklärt haben“, sagte Peter Feller, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie und Mitglied im FÖV-Beirat. „Bei den KMU gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, dass dieser Prozess noch offen ist. Aber auch bei großen Unternehmen bestehen noch erhebliche Unsicherheiten.“

Für Martina Hörmer, Markenstrategin für Bio & Nachhaltigkeit und ebenfalls Beirätin im FÖV, steht fest, dass die PPWR trotz aller Herausforderungen ein wichtiger Schritt in Richtung nachhaltiger Verpackungslösungen ist. „Die PPWR ist eine richtige und wichtige Initiative. Verpackungen recyclingfähiger zu machen, Verpackungsmaterial zu reduzieren und problematische Stoffe zu vermeiden, ist der richtige Weg“, erklärte Martina Hörmer. „Natürlich wird die Umsetzung am Anfang nicht immer einfach sein und es wird Hürden geben. Aber diese Anfangshürden sollten uns nicht davon abhalten, die positiven Ziele der PPWR konsequent umzusetzen.“

Der Roundtable machte deutlich, dass bis zum 12. August 2026 noch zahlreiche Detailfragen offen sind, gleichzeitig aber die Vorbereitungen in den Unternehmen bereits auf Hochtouren laufen. Der große Zuspruch zur Veranstaltung zeigte, dass die Branche die PPWR als zentrales Zukunftsthema erkannt hat. Der gemeinsame Tenor: Jetzt gehe es darum, die verbleibende Zeit intensiv zu nutzen, Prozesse aufzusetzen und Lösungen gemeinsam weiterzuentwickeln.

Der Roundtable „Fitness Check PPWR“ wurde gemeinsam von Forum Wellpappe Austria und dem Forum Ökologisch Verpacken (FÖV) veranstaltet.

Pressefotos: www.picdrop.com/comunit

Das Forum Wellpappe Austria ist Sprachrohr von sieben Wellpappeherstellern in Österreich, die rund 1.600 Menschen beschäftigen. Die Mitgliedsfirmen sind DONAUWELL Wellpappe Verpackungsgesellschaft m.b.H., Margarethner Verpackungsgesellschaft m.b.H, Mondi Grünburg GmbH, Mosburger GmbH (Standorte Wien und Straßwalchen), Rondo Ganahl Aktiengesellschaft (Standorte Frastanz und St. Ruprecht), Steirerpack GmbH und Wellpappenfabrik TEWA GmbH. www.wellpappe.at

Das Forum Ökologisch Verpacken
Ziel des Forums Ökologisch Verpacken ist es, das Bewusstsein für den Wert der Kreislaufwirtschaft zu stärken und damit das Recyclingprinzip zu fördern. Die Plattform der deutschen und österreichischen Wellpappeverbände bringt Expert*innen und engagierte Partner*innen aus den Bereichen Verpackung und Handel, Industrie, Wissenschaft, Umwelt, Technik und Umweltschutzmanagement zusammen. www.oekologisch-verpacken.com

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